Sicherheit am Berg: die Skiindustrie, eine Schlüsselrolle

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Nicolas Arquin

SEO-Webredaktor

Welche Rolle spielt die Skiindustrie bei Ausbildung, Prävention und Sicherheit am Berg? Lesen Sie zwei Erfahrungsberichte von Akteuren der Branche!

Sicherheit am Berg: die Skiindustrie, eine Rolle und eine Verantwortung, die es wahrzunehmen gilt

Sicherheit am Berg geht alle an

Jahr für Jahr wächst das Backcountry-Skifahren auf der ganzen Welt, zu unserer grossen Freude. Man zählt in Europa mehr als 3 Millionen Skifahrer und Snowboarder abseits der Pisten. Eine erfreuliche Zahl, doch die Kehrseite der Medaille ist weniger glänzend. Die Skiunfälle häufen sich, der tödliche Unfall am Berg wird zu einem realen Risiko. Und mit ihm möglicherweise auch eine Infragestellung unserer Freiheit, uns in den Bergen zu bewegen.
Angesichts dieser Feststellung wird deutlich, dass Sicherheit am Berg alle angeht. Wer abseits der Pisten unterwegs ist, muss sich unbedingt eine Ausbildung zu den Risiken am Berg holen. Aber auch die Skiindustrie muss handeln und für ihre Kundschaft ein echtes Ausbildungsangebot aufbauen. Sie muss also einen Teil der Bildungsverantwortung gegenüber ihrer Kundschaft übernehmen. So wird das Skifahren als Ganzes gewinnen.

Die Skiindustrie und ihre Verantwortung

Eine gesellschaftliche Verantwortung

Bei der Lawinenprävention und der Ausbildung hat die Skiindustrie eine wichtige Rolle zu spielen. Sie trägt eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Ski- und Snowboardbegeisterten. Umso mehr, als diese nicht unbedingt jahrelange Erfahrung mitbringen. Als Generalsekretär der Federation of the European Sporting Goods Industry (FESI) zieht Jérome Pero eine Bilanz der Situation: «Die Sportarten öffnen sich für ein breites Publikum. Man hat das Gefühl, dass die Leute immer mehr Zugang zur Natur und zur Freiheit suchen. Leider haben wir ein weniger informiertes, weniger ausgebildetes und weniger erfahrenes Publikum. Wir haben dieses Jahr viele Unfälle gesehen, viele Lawinen, Todesfälle und Verletzungen im Zusammenhang mit dem Fahren abseits der Pisten.»

Skifahrende für Unfälle und das Lawinenrisiko zu sensibilisieren, scheint entscheidend, um die Denkweise zu verändern und Unglücke zu begrenzen.
Das gelingt mit einer angepassten und fundierten Ausbildung, welche die Eigenverantwortung der Wintersportler stärkt. Aber auch die Skiindustrie hat ein Wort mitzureden …

Eine gemeinsame Verantwortung

Was die Sicherheit am Berg betrifft, weist Jérome Péro auf die Rolle jedes einzelnen Akteurs im Wintersport hin. «Die Marken können weder die Behörden ersetzen, die die Berge verwalten, noch das individuelle Urteilsvermögen, noch die Fachleute im Gelände, welche die Wintersportler begleiten. Sie tragen jedoch eine gemeinsame Verantwortung.
Niemand kann das allein schaffen. Es braucht Erklärungen, Orientierung und Ausbildung für diejenigen, die glauben, sie könnten von heute auf morgen freeriden gehen.
Jetzt gilt es, diese gemeinsame Verantwortung zu definieren und eine Koalition zu bilden, eine Allianz zwischen allen Fachleuten am Berg, Ausrüstungshersteller eingeschlossen. Wir müssen festlegen, welche Rolle jeder in dieser Allianz übernehmen kann. Das Ziel: dass alle besser trainiert und besser vorbereitet sind und letztlich sicher unterwegs sind.»

Eine gemeinsame Verantwortung, die entscheidend ist, um weiterhin abseits der Pisten fahren zu können. Manche Ausrüstungshersteller haben sie übrigens bereits gut verinnerlicht, wie etwa HEAD …

Die Ausbildung der Wintersportler, ein echtes Ziel für HEAD

Eine begleitende Rolle, mehr als nur Verkäufer von Material

HEAD, eine österreichische Marke, die 1950 in Baltimore (USA) gegründet wurde, ist hauptsächlich auf Ski und Tennis spezialisiert. Ihr Vizepräsident René Harrer hat uns die Initiativen erläutert, die der Ausrüstungshersteller ergriffen hat oder plant, um seine Kundschaft zu begleiten.
«Das kann die Organisation von Bildungsanlässen sein, insbesondere Clinics im Schnee, Workshops oder auch eine ‹Mountain Academy› für verschiedene Niveaus.
Wir können auch digitale Lerninhalte entwickeln: kostenlose Online-Tutorials, Webinare zur Sicherheit mit Athleten, herunterladbare Trainingsprogramme.»

Weitere Initiativen: die HEAD-Gemeinschaft zusammenbringen, mit Filmvorführungen, Testtagen (Demo Days) und Online-Foren.
Und nicht zu vergessen die Förderung von Nachhaltigkeit und Sicherheit, in Zusammenarbeit mit Organisationen, die sich für die Sicherheit am Berg einsetzen.

«Unsere Partnerschaft mit WEMountain ist bereits ein erster Schritt in diese Richtung», freut sich René Harrer.

Eine klare Verantwortung gegenüber den Wintersportlern

Die Skiindustrie muss heute gegenüber allen handeln, die das Fahren abseits der Pisten lieben. Zur Erinnerung: 90 % der Lawinen (die Gefahr Nummer eins für Skifahrende) werden vom Opfer selbst oder von einem Mitglied seiner Gruppe ausgelöst. Es ist also entscheidend, dass Skifahrer und Snowboarder ihre Kompetenzen ausbauen, um sich – durch eine Ausbildung – mit dem Lawinenrisiko vertraut zu machen. Und dafür muss die Skiindustrie Projekte zur Ausbildung und zur Sicherheit am Berg anbieten oder (zumindest) unterstützen. 

René Harrer erläutert uns die aus seiner Sicht wichtigsten Verantwortungen der Skiindustrie gegenüber den Wintersportlern:

  • «Sicherheit: zuverlässige Ausrüstung liefern und in den Skigebieten ein sicheres Umfeld für die Ausübung des Sports gewährleisten.
  • Ausbildung: die nötigen Kompetenzen und Kenntnisse vermitteln, insbesondere in Sachen Sicherheit am Berg und gute Praxis.
  • Verantwortung für die Umwelt: die Ökosysteme der Berge durch nachhaltige Praktiken und konkretes Engagement bewahren.
  • Inklusion: den Sport zugänglicher und einladender für ein vielfältiges Publikum machen.
  • Gemeinschaft: die Kultur und die Leidenschaft, die diesen Sport ausmachen, unterstützen und lebendig halten.»

Das Skifahren abseits der Pisten gut zu begleiten, ist deshalb eine zentrale Aufgabe, um die Zahl der Lawinenopfer zu verringern.
Anders als bei Disziplinen wie Kitesurfen oder Tauchen sind Skifahrende, besonders abseits der Pisten, ohne echte Lawinenausbildung unterwegs.
Das erhöht die Risiken am Berg und wirft die Frage nach den Gründen für ein solches Verhalten auf.

Sicherheit am Berg: eine menschliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderung

Skiunfälle und ihre Folgen verringern

In der Saison 2024/2025 kamen in Europa 70 Bergsportlerinnen und Bergsportler in Lawinen ums Leben (davon 21 in Frankreich und 20 in der Schweiz). Die Daten stammen von der Website der European Avalanche Warning Services (EAWS).
Eine schwere Bilanz: Skiunfälle verzeihen nichts und können schreckliche Folgen haben. Dem Lawinenrisiko begegnet man mit einer soliden Vorbereitung im Voraus. Man kann sich nur mit Training, einer Lawinenausbildung und Kompetenzen in Sachen Sicherheit am Berg in die Berge begeben.

Der tödliche Unfall am Berg: eine direkte Wirkung auf das Image und die Glaubwürdigkeit der Branche

Jeder tödliche Unfall am Berg hat, neben den Folgen für das Umfeld des Opfers, eine enorme gesellschaftliche Wirkung. Die Berichte in den Medien und den sozialen Netzwerken lassen die breite Öffentlichkeit nicht gleichgültig. Die emotionale Wirkung ist real, besonders wenn eine Lawine im Spiel ist. Das Skifahren abseits der Pisten kann dann als gefährlich wahrgenommen werden, und wer es ausübt, wird als «leichtsinnig» abgestempelt.  
Die Folge: ein schlechteres Image des Skisports und der Akteure der Branche in der öffentlichen Meinung.  
Es ist deshalb wichtig, den Wintersportlern die Risiken am Berg gut zu erklären, und diese Aufgabe liegt sowohl bei den Marken als auch bei den Skigebieten. Eine Branche, die sich für die Lawinenprävention einsetzt, stärkt ihre Glaubwürdigkeit und die Sicherheit am Berg.

Skifahren abseits der Pisten, eine Praxis, die auch die Umwelt beeinflusst

Alle müssen sich am Berg verantwortungsvoll verhalten, auf einem Spielplatz mit empfindlichen Naturräumen. Die Fauna (und die Flora) muss respektiert werden, gerade im Winter, der für sie eine kritische Zeit ist. Die Art der Fortbewegung muss sorgfältig überlegt werden. Wagen Sie sich nicht ausserhalb der erlaubten Zonen!  
Ein schlecht ausgebildeter Skifahrer oder Snowboarder geht nicht nur Risiken am Berg ein, er belastet auch seine Umwelt. 
Es überrascht nicht, dass Marken und Skigebiete eine Rolle bei der Verbreitung dieser guten Praxis spielen. Die Skiindustrie steht also vor einer doppelten Herausforderung: für die Sicherheit am Berg zu sensibilisieren, aber auch für ein verantwortungsvolles Skifahren. 

Welche Zukunft für die Akteure der Skiindustrie?

Die Notwendigkeit, sich viel stärker für Ausbildung und Prävention einzusetzen

Für die Skiindustrie hat heute die Stunde der Mobilisierung geschlagen.  
Schon in den kommenden Monaten müssen echte Überlegungen angestellt und Massnahmen ergriffen werden. 
Andernfalls könnte die Rechnung gesalzen ausfallen … 

Der Vizepräsident von HEAD fasst es gut zusammen.  
«Wenn die Industrie keine aktivere Rolle bei Ausbildung und Prävention übernimmt, könnte sie mit Folgendem konfrontiert werden: 

  • Mehr Unfälle: eine Zunahme vermeidbarer Verletzungen und Unfälle, die dem Image des Sports schadet.  
  • Höhere Kosten: eine grössere rechtliche Haftung, explodierende Versicherungskosten und das Risiko einer kostspieligen staatlichen Regulierung.  
  • Eine negative Wahrnehmung: ein Sport, der als gefährlich und elitär gilt und neue Wintersportler abschreckt, insbesondere aus einem vielfältigen Publikum.  
  • Eingeschränkter Zugang: verantwortungsloses Verhalten, das zu Zugangsbeschränkungen für Freeride-Gebiete und öffentliches Gelände führen kann.  
  • Gebremstes Wachstum: eine Basis von Wintersportlern, die stagniert oder sogar schrumpft und die langfristige Tragfähigkeit der Branche gefährdet.» 

Auch Jérome Péro hat seine Sicht auf das Thema: «Es gibt ein Risiko für das Image der Branche. Im Moment spricht man mehr über die negativen Seiten des Wintersports (Unfälle, Schneemangel) als über die positiven Seiten und den Nutzen.  
Wenn wir nichts tun, steuern wir auf eine Branche zu, die das Risiko fördert, nichts unternimmt und auf Stillstand setzt.»

Wird die Freiheit am Berg bald durch Skiunfälle infrage gestellt?

Ein weiteres reales Risiko: strengere Vorschriften, falls sich die Lage nicht ändert.
Einige Akteure der Skibranche schlagen übrigens Alarm, etwa der Generalsekretär der FESI: «Die Debatte zwischen der Freiheit, den Sport auszuüben, und den menschlichen und wirtschaftlichen Kosten, die gewisse Risikoverhaltensweisen verursachen können, ist ein sehr ernstes Thema. Man muss eine Stigmatisierung vermeiden, aber es braucht eine gewisse Eigenverantwortung: Die Gesellschaft ist immer weniger bereit, für die Risikokultur zu bezahlen.»

Könnten die vielen Skiunfälle und das Fahren ohne Lawinenausbildung unsere Freiheit, uns am Berg zu bewegen, infrage stellen?
Wird sich das Verhältnis zu den Rettungskräften, die immer häufiger im Einsatz sind, künftig verändern? Ein im Februar 2026 veröffentlichter Bericht des französischen Rechnungshofs (Cour des Comptes) stellt denn auch die Kostenlosigkeit der Bergrettung infrage. Ein alles andere als günstiges Signal.

«Es besteht ein Regulierungsrisiko, wenn die menschlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Kosten zu hoch werden und die Behörden beschliessen, diese Aktivitäten einzuschränken oder zu verbieten. Genau das wollen wir vermeiden. Wenn wir das Problem lösen wollen, müssen wir prüfen, wie wir alle gemeinsam handeln können, bei der Ausbildung und bei allem, was sich im Vorfeld tun lässt», sagt Jérome Pero.

Die Lawinenausbildung muss somit ein Hebel sein, begleitet von mehr Eigenverantwortung des Skifahrers (der wissen wird, wie er vermeidet, unter eine Lawine zu geraten), aber auch aller Akteure der Skibranche.

WEMountain: eine konkrete Antwort auf eine globale Herausforderung

Ein digitaler, zugänglicher und internationaler Ansatz

Die von 50 internationalen Experten entwickelte Methode WEMountain hat bereits über 7000 Mitglieder aus 52 Nationen überzeugt.  
Sie gliedert sich in mehrere E-Learning-Kurse (online) und T-Learning-Kurse (im Gelände). Diese Ausbildung ist zu 80 % der Risikoprävention und der Vermeidung von Lawinensituationen gewidmet.  
«WEMountain ist eine sehr gute Initiative. Es ist sehr gut, auf Stars, Ausrüster und alle Akteure des Wintersports zu setzen, um zu kommunizieren und die Wintersportler aufzuklären, ohne sie zu stigmatisieren», lobt der Generalsekretär der FESI.

Eine Lawinenausbildung, auf die die Branche und ihre Akteure bereits setzen

Das internationale Ausbildungsprogramm am Berg von WEMountain geniesst die Unterstützung zahlreicher Akteure der Skibranche.
Darunter die Freeride World Tour, IFSA, HEAD, Tecnica, Decathlon, Verbier 4 Vallées, Compagnie du Mont Blanc oder auch die Patrouille des Glaciers.
Eine verdiente Anerkennung der Arbeit von WEMountain, einem wichtigen Akteur der Sicherheit am Berg.

FAZIT – Verantwortung übernehmen, um weiterhin abseits der Pisten Ski fahren zu können

Zusammengefasst tragen die Skibranche und die Pulverschneeliebhaber heute mehr denn je eine echte kollektive Verantwortung für ihre Zukunft.
Wollen wir eine Zukunft mit noch mehr Vorschriften? Wollen wir, dass unsere Freiheit infrage gestellt wird?
Alle müssen in sich gehen und sich die richtigen Fragen stellen. Eine echte Kultur der Sicherheit am Berg muss entstehen, damit die Skiunfälle zurückgehen.
Zu lernen, sein LVS zu benutzen, reicht nicht: Es braucht eine echte Ausbildung.
Das wird helfen, beim Freeriden Leben zu retten. Zögern Sie also nicht, sich ausbilden zu lassen!

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