Lawinenrisiko am Berg: spezifische Geländemerkmale 

Bild von Nicolas Arquin
Nicolas Arquin

SEO-Webredaktor

Welche spezifischen Geländemerkmale begünstigen die Auslösung von Lawinen und welche nicht? Erkunden Sie die Berge und sorgen Sie für Ihre Sicherheit, indem Sie die Risiken beherrschen

Spezifische Geländemerkmale: Entdecken Sie die Geheimnisse der Berge

Am Berg kann eine falsche Beurteilung des Geländes dramatisch enden.  
Wer die Gefahr nicht kennt, kann von einer Lawine mitgerissen werden. 
Eine Lawine geht jedoch nie irgendwo los. Es gibt sogenannte günstige und ungünstige spezifische Geländemerkmale. Sie verringern oder erhöhen das Lawinenrisiko am Berg. Wer diese spezifischen Geländemerkmale versteht, macht bereits einen wichtigen Schritt für seine Sicherheit am Berg im Winter.

Das Gelände lesen: die Grundlage der Sicherheit am Berg

Das Gelände, erster Risikoindikator

Wenn man sich im winterlichen Gebirge bewegt, ist es unerlässlich, das umgebende Gelände erkennen und einschätzen zu können. Das Gelände gibt Hinweise, die Geländeformen senden Signale. Es ist entscheidend, sie entschlüsseln zu können. Der Berg verrät viel über die Risiken, die es einzuschätzen gilt, insbesondere über die Lawinengefahr. Achten Sie also immer darauf, das Gelände genau zu analysieren! 

Vorausschauen am Berg: weiter blicken als bis zu den Skispitzen

Vor jeder Tour im winterlichen Gebirge (Skitouren, Freeride usw.) sollte man sich gedanklich in das Gelände versetzen, in dem man unterwegs sein wird. Lernen Sie, die Formen von Lawinengelände zu erkennen, die vor Ihnen liegen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Gefahren von Lawinen im Berggelände zu analysieren. Verstehen Sie vor allem, dass sich das Risiko (und das Gelände) innerhalb weniger Dutzend Meter ändern kann. Das Lesen des Geländes am Berg ist daher entscheidend. Wer seine Umgebung bis in die Skispitzen kennt, verbessert seine Entscheidungsfindung am Berg und sorgt für seine Sicherheit im winterlichen Gebirge. 
 
Welche spezifischen Geländemerkmale sind ungünstig oder günstig und können die Folgen einer Lawine verstärken oder nicht? Die Antwort gibt es gleich.  

Spezifische Geländemerkmale, die das Lawinenrisiko erhöhen

Anbruchgelände

Man unterscheidet mehrere Arten von Anbruchgelände: 

  • Die Gipfelhänge, direkt unterhalb von Gipfeln, Graten oder Kämmen gelegen.  
    An diesem oft leeseitigen Hangtyp kommt es zu einer Schneeansammlung durch den vom Wind verfrachteten Schnee. Daraus können sich Triebschneebretter bilden, die bei der geringsten Zusatzbelastung der Schneedecke als Schneebrett abgleiten können.  
    Gipfelhänge sind typisches Anbruchgelände für Lawinen.  
    Ohne genaue Beurteilung kann die Lage also schnell kritisch werden.  
  • Leeseitige Hänge, im Windschatten des vorherrschenden Windes. 
    Auch hier kommt es zu Schneeverfrachtung durch Wind, mit schwachen Schichten, die jederzeit nachgeben können. Diese Hänge muss man erkennen können, um sich nicht in Gefahr zu bringen. 
  • Anrisskanten, diese Zonen mit einem abrupten Wechsel der Geländeneigung. Sie fahren sie bestimmt gerne und geniessen den steileren Hang. Doch die Schneedecke ist dort geschwächt, instabile Schichten geben leichter nach und Schneebretter können sich häufig lösen. 
    Es ist entscheidend, das Gelände genau lesen zu können, um das Lawinenrisiko gut im Griff zu behalten.  

Verschärfendes Gelände

Auch hier gibt es verschiedene Geländeformen, welche die Folgen einer Lawine verschärfen:  

  • Grosse Hänge 
    Als Mitbegründer von WEMountain, einem führenden Akteur der Sicherheit am Berg, hat Dominique Perret kürzlich eine Kolumne auf Outside.fr geschrieben. Darin äussert er sich zu diesen grossen Hängen, «Flanken mit 1500 bis 2000 Höhenmetern». «Sie sind faszinierend… und doch äusserst gefährlich. In solchem Gelände hat eine Lawine allen Raum, um anzuwachsen, zu beschleunigen und gewaltige Ausmasse anzunehmen. Die mögliche Verschüttung ist hier enorm, sowohl in der Tiefe als auch in der Länge. Diese grossen Hänge muss man deshalb mit grösster Vorsicht angehen. Sie sind herrlich zu fahren, aber gefürchtet, wenn [eine Lawine] abgeht», meint der Freeride-Pionier.  
  • Wälder  
    Auf den ersten Blick «harmlos», haben Wälder doch ihre Tücken. Bei einer Lawine können natürliche Hindernisse wie Bäume und Schneelöcher schwere Verletzungen verursachen. Baumstümpfe und Äste sind zudem eine Sturzgefahr. 

Auslösendes und verschärfendes Gelände

Zu nennen sind zunächst die gewölbten steilen Hänge. Die Neigung nimmt über eine lange Strecke allmählich zu, und der Hangfuss ist nicht einsehbar. Ein «Blindflug», bei dem sich die Gefahren nicht erkennen lassen… 
Doch das ist nicht alles: Auch nicht gestützte Hänge und Geländefallen vereinen das Risiko einer Lawinenauslösung mit einem verschärfenden Risiko.

Günstiges Gelände

Gestützte Hänge

Ein gestützter Hang ist ein steiler Hang, der in eine Verflachung ausläuft. Das Lawinenrisiko bleibt bestehen, zum Beispiel bei instabilem Schnee. Die Geländeform erlaubt es jedoch, «auszuweichen» und die Folgen der Lawine zu begrenzen. Hüten Sie sich trotzdem vor übermässigem Selbstvertrauen.  

Sicherheitsinseln

Dominique Perret erklärt mehr zu diesem besonderen Gelände: «ein Felsen, eine Kuppe, ein Grat, eine Verflachung mitten in einem grossen Hang. Das sind vorübergehende Zufluchtsorte, an denen du anhalten, durchatmen und die Situation in Ruhe neu beurteilen kannst.» Auch wenn sie als weniger exponiert gelten, beseitigen Sicherheitsinseln das Risiko nicht. Doch das Gelände lesen zu können heisst auch zu wissen, an welcher Stelle man anhält…  

Luvhänge

Nicht immer angenehm zu fahren, sind Luvhänge nur wenig mit Neuschnee beladen. Da sie direkt dem vorherrschenden Wind ausgesetzt sind, bilden sich dort weniger Triebschneeschichten. Ein günstiges Gelände für eine kontrollierte Abfahrt.  

Das eigene Risiko senken, indem man besonderes Gelände richtig einschätzt

Das Lawinenrisikomanagement beginnt, bevor man in den Hang einfährt. Den Berg lesen zu können ist nicht angeboren, es ist eine Fähigkeit, die man sich aneignet. So ist man dem Gelände nicht ausgeliefert und kann verzichten, solange noch Zeit dazu ist.  
Damit Sie sich alle nötigen Kenntnisse aneignen und Ihre Touren am Berg sicherer machen können, ist WEMountain für Sie da. Wir bieten Ihnen ein innovatives Programm, entwickelt mit renommierten internationalen Experten, mit E-Learning-Kursen und Geländekursen. WEMountain hat so eine umfassende Ausbildung in Lawinenprävention und Sicherheit am Berg aufgebaut. Damit können Sie vorausschauen, entscheiden und Ihr Risiko verringern.  

Wenn dieser Artikel über besonderes Gelände Ihr Interesse geweckt hat, buchen Sie gerne eine unserer Ausbildungen. Damit sind Sie besser auf das Lawinenrisiko am Berg vorbereitet. So geniessen Sie Ihre Touren gelassener. Wir wünschen Ihnen einen wunderbaren Winter mit vielen schönen Spuren und gemeinsamen Momenten. 

FAQ

- Warum ist das Lesen des Geländes für die Sicherheit am Berg so wichtig?

Das Gelände ist der erste sichtbare Hinweis. Es ist entscheidend, es vor und während einer Skitour zu analysieren. Das Gelände lesen heisst vorausschauen, und so lässt sich das Risiko besser managen. Wer sein Spielfeld genau kennt, sorgt für seine Sicherheit am Berg und erleichtert die Entscheidungsfindung. Den Hang zu studieren, zu spüren und zu verstehen ist unerlässlich. 

- Ab welcher Hangneigung kann eine Lawine ausgelöst werden?

Lawinen lösen sich meist in Hängen mit einer Neigung zwischen 30° und 45°. In solchen Hängen sammeln sich instabile Schichten an.  
Unter 25° ist das Auslöserisiko gering, eine Lawine kann aber aus dem darüberliegenden Gelände kommen. Deshalb sollte man die Hangneigung messen, also objektiv in Grad bestimmen. So lässt sich der Hang anhand der bekannten Schwellenwerte für das Lawinenrisiko einordnen. 

- Wie erkennt man Lawinengelände am Berg?

Lawinengelände erkennt man vor allem an der Geländeform. 
Steile Hänge, Anrisskanten, Gipfelhänge oder auch leeseitige Hänge sind Geländeformen, die Lawinenabgänge begünstigen. 
Für eine genauere Analyse lohnt es sich, zum Beispiel die Ausrichtung des Geländes gegenüber dem Wind zu beobachten. Lawinengelände zu erkennen, heisst, die Hinweise des Geländes lesen zu können.

Entdecke weitere Artikel über die Berge