Patrouille des Glaciers 2024: Am Ende hat immer die Natur das letzte Wort!
Reaching Summit (RS) ist ein inspirierendes Projekt, das Frauen die Teilnahme am berühmten Rennen der Patrouille des Glaciers (PdG) erleichtern will. RS wurde 2023 von Karine Fragnière gegründet und will Frauen dabei helfen, mit dem Skibergsteigen die gläserne Decke zu durchbrechen
Valentine und Noelle, Läuferinnen an der Patrouille des Glaciers 2024, erzählen von ihren Erfahrungen nach einem intensiven Trainingsjahr, an dessen Ende ihr Rennen wegen schlechten Wetters abgesagt wurde. Eine wertvolle Lektion der Natur, die uns zeigt, dass sie immer das letzte Wort hat und dass man manchmal auf seine Vorhaben verzichten muss, weil sonst unser schönster Tag am Berg schnell zum schlimmsten werden kann.
Der Bericht von Valentine Cardis
Diesen Winter habe ich mich in ein aussergewöhnliches Abenteuer gestürzt: die Vorbereitung auf die Patrouille des Glaciers. Über das Programm Reaching Summits kam ich im September zu einem Team unerschrockener Frauen, vereint durch unsere Leidenschaft für das Skibergsteigen und unseren Wunsch, über uns hinauszuwachsen.
Von Anfang an war unser Ziel klar: unsere Fähigkeiten auf den Ski zu verbessern und gleichzeitig einen echten Teamzusammenhalt aufzubauen. Im Lauf der Saison wurden die Bande enger, und die individuellen Unterschiede wurden zu gemeinsamen Stärken. Jede Abfahrt und jeder Aufstieg war eine Gelegenheit, voneinander zu lernen, neue Stärken und Schwächen zu entdecken und gemeinsam zu wachsen.
Die ersten Skitourenrennen waren entscheidende Momente auf unserem Weg. Sie stellten die erworbenen Fähigkeiten auf die Probe und zeigten uns neue Herausforderungen, die es zu meistern galt. Wir nahmen diese Herausforderungen mit Entschlossenheit an und sahen in ihnen Chancen, uns zu verbessern und zu wachsen.
Eine entscheidende Etappe vor der Patrouille des Glaciers war ein Wochenende in der Theodulhütte bei Zermatt, auf 3400 Metern über Meer. Dort, mitten in den majestätischen Gipfeln, arbeiteten wir nicht nur an unserer Ausdauer und unserer körperlichen Form, sondern stärkten auch unseren Zusammenhalt. Gemeinsam entwickelten wir Strategien, verfeinerten unseren Rhythmus und festigten unser gegenseitiges Vertrauen.
Doch trotz aller Vorbereitung und Begeisterung hat die Natur manchmal ihre eigenen Pläne. Wenige Tage vor der Patrouille musste das Rennen Z2 wegen der Wetterbedingungen abgesagt werden. Das war ein harter Schlag für uns, aber wir haben einen kühlen Kopf und den Blick für das Ganze bewahrt. Am Berg geht Sicherheit vor: Ich habe diesen Entscheid mit Gelassenheit angenommen und blicke den kommenden Herausforderungen mit noch grösserer Entschlossenheit entgegen.
Auch wenn die Saison nicht ganz wie geplant zu Ende ging, war sie ein unvergessliches Abenteuer, geprägt von Kameradschaft, persönlichem Wachstum und der Leidenschaft für die Berge. Für mich ist die Patrouille des Glaciers viel mehr als ein Wettkampf: Sie ist das Symbol meines Engagements, meiner Ausdauer und meiner Liebe zur Weite der Natur. Und wohin der Weg am Ende auch führt, der wahre Triumph liegt in der Reise selbst.
Die PdG mit den Augen von Noëlle Haudenschild
Zu Reaching Summits zu stossen, war ein entscheidender Moment in meinem Leben. Dieser Verein wurde gegründet, um die gläserne Decke zu durchbrechen, und hat bewiesen, dass Frauen mit der richtigen Begleitung jede Herausforderung meistern können. Für uns war dieses Licht Karine, eine bemerkenswerte Frau, die uns gezeigt hat, dass wir zu viel mehr fähig sind, als wir es uns je vorgestellt hätten.
Unter Karines Leitung war unser Abenteuer mit Reaching Summits nichts weniger als verwandelnd. Wir erhielten von WEMountain eine erstklassige Ausbildung zu den Risiken am Berg und konnten unsere Fähigkeiten unter den Fittichen erfahrener Bergführer verfeinern. Mit der besten Ausrüstung ausgestattet, gingen wir unser Abenteuer mit Entschlossenheit und Vorfreude an.
Zu Beginn war unser Team eine Gruppe von Unbekannten, vereint durch ein gemeinsames Ziel: unsere Grenzen zu verschieben und zu beweisen, dass Frauen in die Berge gehören. Trotz der Herausforderungen sind wir zusammengewachsen und haben uns bei jedem Schritt gegenseitig unterstützt.
Als das letzte Rennen näher rückte, war die Anspannung auf dem Höhepunkt. Wir hatten unermüdlich auf diesen Moment hingearbeitet und unser ganzes Herz und unsere ganze Seele in jeden Aufstieg und jede Abfahrt gelegt.
Doch die Natur hatte andere Pläne mit uns. Die ganze Woche vor dem Rennen war das Wetter ungünstig, und es blieb so. Die Patrouillen Z1, A1 und Z2 sahen all ihre Anstrengungen ins Wasser fallen. Obwohl das Organisationsteam der PdG alles getan hat, um den Anlass zu ermöglichen und unsere Sicherheit zu gewährleisten, wurde klar, dass der Berg nicht auf unserer Seite war.
Zu begreifen, dass das Rennen nicht stattfinden würde, war sehr schwer zu akzeptieren. Und doch war da trotz der Enttäuschung ein Gefühl der Dankbarkeit für das unerschütterliche Engagement der Organisatoren für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden. Sie hatten bei ihren Vorbereitungen nichts dem Zufall überlassen. Und manchmal muss man verzichten können und es vor allem annehmen.
Trotz dieser Kehrseite der Medaille war unser Abenteuer mit Reaching Summits ein Triumph für die persönliche Entwicklung. Wir sind stärker, selbstbewusster und widerstandsfähiger daraus hervorgegangen als je zuvor.
Reaching Summit war wirklich ein Geschenk, und ich bin voller Dankbarkeit für den zurückgelegten Weg. Dieses Abenteuer hat mir gezeigt, dass es nicht nur darum geht, das Ziel zu erreichen; was zum Erfolg führt, ist die «Reise» und all die Lebenslektionen, die man unterwegs lernt.
Dank Karine und dem ganzen Team von Reaching Summits vertraue ich heute mehr denn je auf meine Fähigkeiten. Ich weiss: Mir sind keine Grenzen gesetzt.
Ein besonderer Dank geht an Bobst, unseren Hauptsponsor, für das Engagement für Projekte wie Reaching Summits, die Frauen in Bereiche bringen, die traditionell von Männern dominiert werden. Ein grosses Dankeschön an WEMountain für die Fachkompetenz in Sachen Sicherheit am Berg, an Movement für die hochwertige Skiausrüstung, an Suprabeam für die grossartigen Stirnlampen, an BlueIce für die zuverlässige Bergsteigerausrüstung und an Le Koti in Le Châble für die Vermittlung des Kontakts zu Montura, das uns mit leistungsfähiger Bekleidung ausgestattet hat.
«Manchmal muss man auf sein Vorhaben verzichten können»
Um die Risiken zu verringern, ist es entscheidend, seine Umwelt und sich selbst genau zu kennen. Die Wetterbedingungen können tatsächlich eine echte Gefahr sein. Aber nicht nur sie! Wussten Sie, dass unser mentaler, energetischer und gesundheitlicher Zustand eine entscheidende Rolle bei unseren Entscheidungen spielt und sich positiv oder negativ auf unser Erlebnis am Berg auswirken kann?
Deshalb hat die Unfallprävention höchste Bedeutung: Ihr Schicksal entscheidet sich VOR der Lawine und nicht DANACH.
Jedes Abenteuer braucht eine sorgfältige Planung. Was, wer, wann, wo, wie? Planen Sie diese Punkte, um Unvorhergesehenes zu vermeiden: Die Anpassung an die Umwelt und die Aufmerksamkeit gegenüber Veränderungen sind unsere Verbündeten für ein sicheres Erlebnis abseits der Pisten.
Manchmal fällt es schwer, einen Schritt zurückzutreten, vor allem wenn man sein Abenteuer am Berg perfekt organisiert und dafür trainiert hat. Doch man darf nicht vergessen, dass die Natur immer das letzte Wort hat und dass man sein Vorhaben manchmal auf Eis legen muss. Bleiben Sie stets offen für die Möglichkeit, Ihren Ride auf später zu verschieben. Sicherheit geht vor! Der Berg läuft nicht davon, und Sie können jederzeit ein anderes Mal wiederkommen.
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